Gosho Aoyamas Crossover

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    • Gosho Aoyamas Crossover

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      Wie im Kaito Kid-Topic angesprochen, kann es sicher nicht schaden, einen eigenen Thread zu diesem Thema zu haben.

      Gosho Aoyama ist, vor allem für einen japanischen Mangaka, jemand, der extrem oft Crossover zwischen seinen Werken kreiert und seine Geschichten so untereinander verknüpft. Das Ganze ist mittlerweile, selbst ohne die Easter Eggs, Gastrollen und Querverweisen aus Spin-off-Medien, wie den Animeserien und Games, dermaßen umfassend, dass ich hier mal faul auf den entsprechenden Wikiartikel verweise, wo bereits einiges (aber noch lange nicht alles) davon gesammelt wurde, falls jemand eine weit detailliertere Übersicht benötigt: conanwiki.org/wiki/Liste_der_Crossover

      In diesem Thread will ich mich zuerst einmal, passend zum Forum selbst, nur auf die meisten Crossover in und zwischen Detektiv Conan, Kaito Kid und, im Zuge seiner baldigen Veröffentlichung auf Deutsch, Yaiba, befassen. Alles andere würde vorerst den Rahmen dieses Themas sprengen. XD

      Detektiv Conan x Kaito Kid
      Die häufigsten und größten Überschneidungen finden natürlich zwischen genau diesen beiden Serien statt, alleine weil sich Meisterdieb und ein Meisterdetektiv als Kontrahenten schon thematisch anbieten und Gosho Aoyama mit Kid bereits einen etablierten Protagonisten mit eigenem Hintergrund hatte. Bereits lange vor der allerersten direkten Begegnung zwischen beiden (in Realzeit), auf dem Dach des Haido City Hotels, gab es einige subtile Verweise in Detektiv Conan auf Aoyamas ersten größeren Erfolg, die damit rückblickend wie ein vorsichtiges Herantasten an das große Crossover wirkten. Das Offensichtlichste dürfte der auf dem Disneyland Tokyo beruhende Vergnügungspark "Tropical Land" gleich in Kapitel 1 sein, der ursprünglich aus dem vierten Kapitel von Kaito Kid stammt und dort bereits als Ort für das Date beider Protagonisten diente. Gleich im folgenden Kapitel ist eines der Bücher in Yusakus Schreibzimmer Band 1 von Kaito Kid, Professor Hiroshi Agasa hortet in Kapitel 6 einen der RZ-04-Verfolgungsroboter (die Kid in Kapitel 9 seiner eigenen Serie das Leben zur Hölle machten) und auch die bei den Detective Boys äußerst populäre Gamera-Parodie "Gomera" stammt ursprünglich aus Kids Manga. ("Gomera" ist der Film, in den sie in Kapitel 22 nach der Begegnung mit Jody Hopper gehen.)

      Interessanterweise hatte Aoyama wohl von Anfang an die Idee, Kaito Kid in Detektiv Conan vorkommen zu lassen; ursprünglich als einmalige Begegnung ohne weitere Konsequenzen oder Bewandtnis für irgendeine der beiden Serien (wie die "Yaiba vs. Kaito!"-Kurzgeschichte). Allerdings war sein Redakteur aus dieser Zeit nicht sehr begeistert von der Idee. Aoyama konnte ihn jedoch von dem Pitch überzeugen und versuchte Kid ganz bewusst, gesetzter und mysteriöser als in seiner eigenen Serie darzustellen und die übernatürlichen Elemente, wie die Hexe Akako Koizumi oder den Edelstein Pandora, in den Hintergrund zu rücken, beziehungsweise bei diesen Konfrontationen gänzlich aus dem Spiel zu lassen.

      Natürlich kam alles ganz anders, Kaito Kid wurde ein außerordentlicher Fanfavorit und beide Serien haben sich mit der Zeit immer weiter angenähert. So war Kid nun bereits zweimal in Fällen mit Organisationsbezug dabei, in einem Fall davon sogar als maßgebliche Rettung der Protagonisten, Pandora wurde auch in Detektiv Conan mehr als nur einmal angedeutet und selbst einen subtilen Querverweis auf eines der Akako-Kapitel gab es. Umgekehrt hat sich Kaito Kid immer mehr dem Stil von Conan angenähert, sei es zeichnerisch, von der Atmosphäre oder dem Umstand, dass Kid nun mehrmals mehr als Detektiv auftrat und die Serie zwei direkte Tie-ins enthielt, die fließend in Conan-Fälle übergehen. Phantom Lady, Kids Mama, wurde zuerst in Detektiv Conan etabliert und Toichi Kuroba war der Mentor sowohl von Sharon Vineyard, als auch Yukiko Kudo, Saguru Hakuba war in der Villa Abenddämmerung und beim Wettstreit der Oberschuldetektive dabei und Prof. Agasa und Yusaku sind offenbar alte Freunde von Konosuke Jii, respektive Ginzo Nakamori. Obendrein hat Aoyama im Editorial der japanischen Perfect Edition von Detektiv Conan vs. Kaito Kid explizit erwähnt, sich ständig Gedanken darüber zu machen, wie er die beiden Werke weiter verbinden kann. Ergänzt wurde das ganze um (chronologisch völlig sinnfreie XD) Easter Eggs, Cameos und Crossover in den beiden Anime zu Kaito Kid, sowie zahlreiche Gastauftritte Kids in Conans Filmen, OVAs und Games.

      Andererseits scheint er bewusst auch die Grenze zu ziehen: Das Privatleben der Kaito Kid-Charaktere lässt Aoyama außen vor und laut mittlerweile zweimaliger Aussage existiert in der Welt von Detektiv Conan explizit keine Magie - und auch keine Akako Koizumi. In den PLAYBACK EPISODES der Treasured Editions sprach er aufgrund der Unvereinbarkeit von Akako und ihrer Magie mit Conans Setting wortwörtlich von "Parallelwelten" und auch an anderen Punkten war die Rede von "Conans Welt" und "Kids Welt", was einen Unterschied beider aus seiner Sicht impliziert. Im Zuge dessen wurde auch Akakos Zaubereinlage in der japanischen TV-Version des Uhrturmfalles komplett geschnitten, weil diese, laut Aoyama, "in Conans Welt spielt". Kurzum, die Relationen beider Serien sind etwas kompliziert. XD

      Detektiv Conan x Yaiba
      Yaiba Kurogane und Elemente aus seiner Serie tauchen, als mit Abstand größter Hit von Gosho Aoyama vor Detektiv Conan (in Japan jedenfalls), praktisch ständig in der Serie auf. Yaiba-Manga und -Games allerorten, ein Onimaru-Videospiel, der Felsensoldat aus dem Pyramiden-Handlungsbogen als Statue in dem angeblichen Spukhaus, der Seegurkendämon Namako-Otoko als Rans Telefonanhänger, ONY-Produkte (eine Parodie auf SONY, die während Takeshi Onimarus Herrschaft über Japan in Yaiba und der kategorischen Umbenennung aller japanischen Firmen mit irgendetwas mit "Oni" im Namen eingeführt wurde), Kamen Yaiba (eine Anspielung auf Yaibas 184. Kapitel, die außer Kontrolle geraten ist XD) und mal mehr, mal weniger direkte Gastrollen für andere Charaktere in Rückblenden, als Figuren, auf Postern oder in Fernsehgeräten, wie Musashi Miyamoto, Jubei Yagyu, Goemon Ishikawa, Kumo-Otoko, Gerozaimon Geroda, etc. Für eine genauere Aufschlüsselung siehe die verlinkte Liste.

      Das Ganze wurde später etwas verwirrender, als plötzlich Yaibas zweitgrößter Rivale, Soshi Okita, in Detektiv Conan als ein Rivale von Heiji auftauchte - dessen Mutter, Shizuka Hattori, wiederum offenbar eine alte Rivalin von Yaibas Mutter, Michiko Kurogane, ist. Takeshi Onimaru nahm am Kendō-Oberschulturnier im Tōto-Gymnasium teil. Okita wiederum brachte in jüngeren Bänden dann die Bestätigung mit, dass Yaiba Kurogane ebenfalls in Conans Welt existiert, als
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      17-jähriger, wie im Epilog seiner eigenen Serie, und dass Okita in seine jüngere Schwester, Moroha Kurogane, verliebt ist, die Yaiba erst in den letzten beiden Bänden kennenlernt.
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      Kaito Kid x Yaiba
      Den Anfang machte hier eine Kurzgeschichte namens K∀ITO (ein Kofferwort aus "Magic Kaito", Kaito Kids Originaltitel, und Yaibas in lateinischen Lettern gehaltenen Titel/Logo, Y∀IBA). Die Geschichte verfasste und zeichnete Gosho Aoyama im Rahmen einer Sonderausgabe der Shōnen Sunday aus dem Jahr 1989 zum dreißigjährigen Bestehen des Magazins. Eben jene Geschichte ist es, die in Band 3 von Kaito Kid später als "Kaito vs. Yaiba!"-Bonuskapitel integriert wurde und ist offiziell eine "Traumsequenz/-konfrontation" (Aoyama Speak für "unkanonisch"). Trotz dessen fanden daraufhin einige Yaiba-Elemente ihren Weg in Kids Manga. Bushi TV, eine Parodie auf Fuji TV, die normalerweise die Bestrebungen von Yaiba Kurogane und seinen Freunden verfolgten, berichteten nun zweimal über Kaito Kids Diebstähle, wobei der Einbruch ins Ekoda-Museum von Shioji Ana, begleitet von ihrem loyalen Kameramann, moderiert wurde, die ebenfalls aus Yaibas Serie stammt. Charaktere in Kaito Kid nutzen außerdem plötzlich ONY-Geräte. Sayaka Mine bekam im Anime Magic Kaito 1412 obendrein einen kleinen Cameo.

      In den folgenden Yaiba-Kapiteln wiederum denkt Sayaka, in einer Anspielung auf die K∀ITO-Kurzgeschichte, irrtümlich erst, bei Goemon Ishikawa handele es sich um Kaito Kid. Außerdem verkauft ein Geschäft im Manga einen der RZ-04-Roboter. Das finale Kapitel, das
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      drei Jahre nach den übrigen Ereignissen des Manga spielt, zeigt, wie Sayaka mittlerweile Oberschülerin ist und mit zwei Mitschülern, Keiko Momoi und ihrer dunkelhaarigen Freundin aus "Blue Birthday", zur Schule geht, bei der es sich damit offenbar um eine alternative Version der Ekoda-Oberschule handelt, und sich mit ihnen über Kaito Kuroba und Aoko Nakamori unterhält.


      Also sind die ganzen Serien kanonisch zueinander?
      Diese Frage, beziehungsweise diesen Schluss, sehe ich extrem oft. Allerdings: Das sind sie nicht. Irgendwie. Gosho Aoyama zeichnet diesbezüglich ein sehr widersprüchliches Bild, indem er direkt Entwicklungen aus den anderen Manga aufgreift (siehe vor allem die Tie-ins in Kaito Kid) und offenbar schon eine Art grobe "Inter-Serien-Chronologie" im Kopf hat (Kaito Kid beginnt wenige Wochen/Monate vor Conan, aber im selben Schuljahr, Yaiba, Sayaka, Onimaru und Okita sind
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      17 Jahre alt, wie im Epilog von Yaiba, in dem Onimaru gerade seinen dritten Nationaltitel gewinnt und Kaito und Aoko ein Paar sind,
      während er in Conan nur zwei davon besitzt und die beiden noch nicht zusammen sind), er serienübergreifende Charakterrelationen strickt und sich offen Gedanken darüber macht, wie Conans und Kids Welten zueinander passen. Andererseits bezeichnet er sie eben explizit als "(Parallel-)Welten" und betont, dass Akako und Magie in Conans Welt nicht existieren; dann wiederum sagte er genau dasselbe aber auch über Yaiba, nachdem seine Mutter in Detektiv Conan zu sehen war... bis er dann doch selber vorkam. XD

      Der Punkt ist, dass es abhängig vom jeweiligen Element und Zeitpunkt ist und ob es Relevanz für die jeweilige Geschichte hat. Denn der Knackpunkt, aus Sicht unseres Kulturraumes, ist: "Kanon" ist ein in Japan tatsächlich relativ unbekanntes/unwichtiges Konzept, zumindest nach dem strengen, westlichen Sinne, und ohnehin stark von Fanvorstellungen und -interpretationen geprägt - genauso wie der Term "Shared Universe". Streitereien über den Kanon gibt es auch zu anderen Anime, Manga und Games, aber die werden auffällig oft auf westlichen Plattformen geführt. Das ist meistens auch der Grund, warum sich die Diskussionen um die Kanonizität der Filme im Kreis drehen, obwohl sie sowohl im Manga referenziert werden, aber diesem gleichzeitig an zahlreichen Punkten widersprechen. Für die meisten japanischen Zuschauer stellt sich die Frage zu diesem "Konflikt" garnicht. Und aus genau diesem Grund geben Autoren wie Aoyama auch oft Antworten wie, dass sie dies oder das der Fantasie der Leser überlassen, dass jene Sache bereits in einem Film angesprochen/erklärt wurde, während er an anderer Stelle sagt, dass die Filme ihr komplett eigenes Ding und vom Manga getrennt sind.

      Fazit ist: Debatten darüber sind interessant (und auch für diesen Thread erwünscht). Aber bleibt dabei höflich, denn: Letzten Endes ist es alles Fiktion und eine klare Antwort oder ein "richtig" gibt es gerade bei diesem Thema nicht. ^^

      Abseits davon - wie findet ihr das Crossover-Konzept, vor allem natürlich im Kontext von Gosho Aoyamas Geschichten? Mögt ihr es, oder findet ihr unter anderem Gastauftritte wie von Kaito Kid und Okita unnötig?