In welchen Situationen im Alltag wird eure Toleranz strapaziert?

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  • In welchen Situationen im Alltag wird eure Toleranz strapaziert?

    Heyho :D
    Toleranz - Anders als Du denkst" heißt die ARD-Themenwoche vom 15. bis 21. November 2014.
    Das Thema finde ich sehr interessant und wollte deswegen mit euch eine Diskussion mit der Frage In welchen Situationen im Alltag wird eure Toleranz strapaziert? beginnen. Was toleriert ihr, welches Verhalten findet ihr in eurem Alltag grenzwertig?
    Meine Meinung folgt später. :D Ich bin auf eure Beiträge gespannt!
  • Das passt vermutlich nicht zu der angestrebten Diskussion, waren aber meine ersten Gedanken zu dieser unsäglichen Themenwoche ...

    Ich bin kein Anhänger der Toleranz. Aber selbst wenn ich einer wäre, diese Themenwoche würde sie wohl überstrapazieren.
    An Toleranz ist (fast) überhaupt nichts Gutes. Die reine Duldung ändert nämlich überhaupt nichts an den Problemen, die in der Themenwoche angesprochen werden. Aber passt natürlich wunderbar in den kalten Herbst: Jetzt können wir alle mal kurz den Schulterschluss mit den angesprochenen "Minderheiten" üben, uns unserer gegenseitigen Toleranz versichern, um anschließend reinen Gewissens in die kitschige Vorweihnachtszeit zu rutschen.
    Sogar der olle Goethe hat schon erkannt, dass Toleranz - wenn überhaupt - nur der erste Schritt ist, man sich aber auf diesem nicht ausruhen sollte. Die Toleranz ist es nämlich, die viele bestehende Schwierigkeiten erst zementiert. Und wieso ist das so? Weil sich hinter dem Begriff der Toleranz nichts mehr als ein "Trostpflaster" für eine konkrete Situation verbirgt, die vom Tröstenden als intolerant wahrgenommen wird. Dass solche Situationen jedoch nicht losgelöst von Hierarchien zu betrachten sind, von denen gerade auch der Tröstende profitiert, wird dabei gerne ignoriert. Wer schneidet sich schon freiwillig ins eigene Fleisch?

    Darauf wolltest du wohl eher nicht hinaus. Aber tatsächlich sind Situationen, die man als "überstrapazierend" bezeichnen würde, ein gutes Indiz dafür, dass Toleranz kein Allheilmittel ist und man selbst längst nicht so unvoreingenommen daherkommt, wie man es von sich selbst gerne glauben möchte. Denn: intolerant sind meistens die anderen. Oder: die, die intolerant behandelt werden, sind selbst schuld.
  • Mensch, lass mich doch mal editieren u.û :rtoo:

    Um ehrlich zu sein wird meine Toleranz vor allem bei intolerantem Verhalten auf eine harte Probe gestellt. Das heißt, wenn irgendjemand irgendwas nicht mag und dazu auch steht, dann ist das eben so. Nur meine ich mit "dazu" stehen nicht, dass man den oder das, was man nicht toleriert nieder macht oder beleidigt, angeht - wie auch immer. Das heißt aber auch nicht, dass ich eine intolerante Einstellung gutheiße. Solange jemand anderen nichts tut denke ich, sollte man alles akzeptieren. Fängt etwas an einer Partei zu schaden, dann ist es etwas anderes.

    Menschen sind Menschen, egal welcher Herkunft. Ob ihre Haut dunkel oder hell ist, ob man ihnen ansieht, dass sie Inselaffen sind spielt keine Rolle, immerhin sind wir alle Menschen. Selbes zählt für Neigungen und alles, was so privat abgeht. Es steht anderen nicht zu über irgendwen zu richten. Wenn jetzt jemand sagt er hat null Toleranz für diverse Sachen, die man so im Bett tut (ich will da gar nicht tiefer drauf eingehen?), dann hat derjenige seine Intoleranz einfach nicht zu äußern (und ich rede hier von Dingen, die auf freiwilliger Basis ablaufen und wie gesagt, niemanden schaden). Es geht ihn nichts an, es hat ihn nicht zu interessieren und wenn ich ehrlich bin, dann beschäftige ich mich auch herzlich wenig mit Dingen, die ich nicht ausstehen kann. Wieso soll ich meine schöne Zeit damit verschwenden der Welt zu zeigen was für ein intoleranter Kotzbrocken ich bin, wenn ich mich mit Dingen beschäftigen könnte, die ich mag?

    Da kommt mir gerade Fußball in den Sinn. Ich gucke mir Videos vom FC an, ganz unschuldig auf Youtube... und les dann in den Kommentaren, wie Gladbacher und Kölner sich gegenseitig aufs Blut beleidigen. A) Warum gucken sich Gladbacher Fc Sachen an? B) Warum wird es derart kommentiert? (Und es sind nicht nur Gladbacher, als ob Kölner besser seien). Da hört meine Toleranz dann zum Beispiel auf. Es ist okay, wenn ein Gladbacher sagt, dass er den FC nicht mag. Aber so?

    Man könnte ja auch einfach friedlich nebeneinander herleben. Also kann man nicht, wie man sieht, aber man könnte es ja mal versuchen.

    und man selbst längst nicht so unvoreingenommen daherkommt, wie man es von sich selbst gerne glauben möchte.
    Da sagst du was. :thumbup:


    Unvoreingenommenheit hat meines Erachtens weniger mit Toleranz oder Intoleranz zu tun. Ich bin voreingenommen und denke mir, dass Schwulsein eine Sünde ist/dass Schwule keine echten Männer sind/dass es ja so was von nicht christlich ist und Gott hat ja Mann und Frau für einen bestimmten Zweck erschaffen*, dann geh ich bestimmt nicht hin und sage "Okay, toleriere ich." (Für die ganz harten, die ihr Ding lieber in den ... ihrer Freundin schieben und denken, dass sei dann ein Unterschied und sie seien ja so männlich). Menschen die behaupten, sie würden etwas tolerieren, nur um dann im nächsten Satz etwas eher beleidigendes/abwertendes hinterherschieben, die sind nicht wirklich tolerant, auch wenn die es denken möchten.

    Ich toleriere Schwule ja, aber ich muss zwei Kerle echt nicht knutschend auf der Straße sehen.

    Wenn man davon ausgeht, dass man nur gute Sachen toleriert (also quasi keine Toleranz für Rassismus, Krieg etc, hat), warum muss man dann ein Problem lösen? Kann es sein dass du da etwas verwechselst? So... Toleranz mit Intoleranz? Wenn ich sage, ich habe keine Toleranz für Kinderschänder/Tierquälerei etc. und kotze bei jeder Gelegenheit rum, wie abartig Menschen sind, die soetwas tun, dann löst es kein Problem. Weil ich dann noch nichts dagegen tu, dass Kinder missbraucht werden oder Tiere gequält werden.

    *Dann geht mal hin und benutzt euren Freund/Freundin mal nur noch dafür, wozu er/sie da ist: Fortpflanzung. Huihuihui.

    LASST EUCH ÜBERZEUGEN UND SHIPPT ES!
  • Also ich muss auch sagen, dass mir die Themenwoche nicht gefällt, was aber wohl eher daran liegt, dass meiner Meinung nach ein Medium wie die ARD einen Informations- und keinen Erziehungsauftrag gegenüber der Gesellschaft hat. Es ist natürlich klar, selbst eine vermeintlich objektive Berichterstattung hat subjektive Färbung, da einfach jeder die Welt aus seinem Kontext sieht, bzw. sich aus diesem nie ganz lösen können wird. Aber hier wird ja im Grunde mit klarer Ansage aufgezeigt, was erreicht werden soll, nämlich einen von den Redaktionen konstatierten Mangel an Toleranz in der Gesellschaft zu beheben. Dies wird aber wenn eher dazu führen, dass unliebsame Meinungen nicht öffentlich artikuliert oder geächtet werden, aber nicht dazu, dass es zu einem Umdenken kommt. Ein Umdenken zur Toleranz hin lässt sich nur in einem offenen Diskurs erzielen, in dem aber eben auch die Gefahr von falschen Schlüssen besteht. Führt man aber einen offenen Diskurs nicht, dann kann es sein, dass sich die "falschen" Meinungen nichtöffentlich finden und verstärken, und dann solche Blüten treiben können, wie neulich in Köln zu sehen war. Das hat, um nicht falsch verstanden zu werden, sicherlich noch weitere Ursachen, aber der nicht offen geführte Diskurs zu bestimmten politischen Themen, trägt da mMn zumindest bei.

    Die Frage ist zunächst natürlich was Toleranz ist, dabei handelt es sich laut Wikipedia um Duldsamkeit, die "allgemein ein Geltenlassen und Gewährenlassen fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten" beinhaltet.
    Das ein reines Dulden nicht immer hilfreich ist, würde ich auch so sehen, denn Dulden alleine löst keine Probleme. Andererseits muss aber auch nicht jedes Problem gelöst werden, was man am Beispiel von Fußball verdeutlichen kann. Solange jemand gewisse Mannschaften aus vielleicht irrationalen Gründen nicht mag, ist das etwas, was nicht geändert werden muss. Kommt es aber zu Beleidigungen oder gewaltsamen Verhalten gegenüber anderen Fans aufgrund dieser irrationalen Haltung, dann muss eingeschritten werden, bzw. wäre hier die Toleranz also überstrapaziert. Das lässt sich im Grunde jetzt auch auf viele Bereiche übertragen, man muss nicht alles mögen, kann es aber dennoch tolerieren, bzw. erdulden. Versuche auch Geisteshaltungen quasi per Dekret ändern zu wollen, also jedes Problem zu lösen, auch wenn dieses nur gedacht wird, führen mEn zwangsweise in totalitäre Systeme. Es gehört also wenn man so will auch zur Toleranz Irrationalitäten in Meinungen zu ertragen. Unvoreingenommenheit ist ohnehin eher ein Idealzustand, der, wenn er erreichbar wäre, Toleranz auch überflüssig machen würde. Natürlich ist es richtig und wichtig, seiner Umwelt möglichst unvoreigenommen zu begegnen, aber es ist eben so, dass jeder auch aus seinem eigenen Blickwinkel auf die Welt schaut, was "Richtig" und "Falsch" zu schwammigen Kategorien macht und da kann die Fähigkeit Dinge auch "nur" dulden zu können, schon weiterhelfen.
  • @Spürnase: Ich habe dich zwar zitiert, allerdings dienen die Zitate eher als Aufhänger für ein paar Gedanken, die mir dazu in den Sinn kamen. So richtig bezieht sich das nicht auf deinen Post, ich wollte dir also nichts unterstellen. Und einiges wiederholt sich sicher, dafür sorry.

    So in dem Sinne, dass Toleranz als eine von oben (was auch immer für ein „oben“ das sein soll) verordnete P.C.-Keule angesehen wird? Aber ob dagegen offen geführte Diskurse wirklich helfen können? Das bezweifle ich. Selbst in einer idealen Welt, in der jeder die gleichen (Bildungs-)Voraussetzungen hat, die Zuhörer sich dem Inhalt, und nicht der Form der Rede widmen, würde das immer noch eines voraussetzen: Die unliebsamen Meinungen dürfen am Ende nicht gewinnen und ein Umdenken der liberalen Zuhörerschaft bewirken. Und diese Bedingung klingt nicht nach einem offenen, unabhängigen Diskurs, ganz gleich, wie schön die Glasur auch daherkommt.
    Diesem „das wird man doch noch sagen dürfen“ ist nicht so einfach beizukommen. Man sollte sich besser von der Vorstellung lösen, dass es so etwas wie eine Patentlösung gibt. Ich stimme dir aber sehr wohl zu, dass man alle Meinungen ins Boot holen muss. Ausgrenzungen verstärken das Problem noch mehr. Im Gegensatz zu dir, wünsche ich mir hier aber tatsächlich mehr Erziehungsarbeit. Und wenn das sonst niemand zu leisten bereit ist, dann eben auch von einer öffentlich-rechtlichen Medienanstalt.

    Spürnase schrieb:

    Es gehört also wenn man so will auch zur Toleranz Irrationalitäten in Meinungen zu ertragen.
    Das funktioniert aber auch in die andere Richtung. Wenn die Toleranz endet, und gleichzeitig vom Gegenüber verlangt wird, das zu ertragen/zu dulden: Würdest du das auch fordern, wenn diese Irrationalitäten andere Menschen verletzen, sie ausgrenzen, ihnen schaden? Wer entscheidet denn in so einem Fall, wessen Recht auf Nichtverletzung Vorrang hat? Und wird tatsächlich niemand verletzt, nur weil gerade niemand anwesend ist, der durch die Aussage verletzt werden kann?
    Genauso argumentieren Menschen, wenn sie sich intolerant verhalten. Die Toleranz endet nämlich in der Regel da, wo man sich in der eigenen Wohlfühlzone bedroht sieht. Das kann ein küssendes Paar sein (vollkommen gleich, ob nun hetero- oder homosexuell), oder auch eine Person im Rollstuhl, die während des GDL-Streiks morgens die überfüllte Tram nehmen muss, und auf die Hilfe des Fahrers/der Fahrerin beim Ein- und Aussteigen angewiesen ist. Oder Senioren, die nach 16 Uhr im Supermarkt einkaufen.
    Darin zeigt sich, dass Toleranz alleine überhaupt nichts bewirken kann. Denn selbst wenn eine Person/eine Meinung in diesem Moment toleriert wird, kann das in einem anderen Kontext zu einem anderen Moment schon wieder ganz anders aussehen. Toleranz sollte allerdings mehr leisten können. Veränderungen und Verbesserungen sind aber nicht möglich, wenn Toleranz von so etwas Individuellem, wie dem eigenen Wohlgefühl abhängig ist.

    Spürnase schrieb:

    Natürlich ist es richtig und wichtig, seiner Umwelt möglichst unvoreigenommen zu begegnen, aber es ist eben so, dass jeder auch aus seinem eigenen Blickwinkel auf die Welt schaut, was "Richtig" und "Falsch" zu schwammigen Kategorien macht und da kann die Fähigkeit Dinge auch "nur" dulden zu können, schon weiterhelfen.
    Eine bequeme Sichtweise. Man kann seinen Blickwinkel übrigens ändern. Sich ab und an einmal in andere Menschen hineinzuversetzen, würde vielleicht deutlicher werden lassen, wieso „dulden“ nur als Übergangsstufe dienen sollte. Und es würde einem die eigene Privilegiertheit bewusster machen. Und es würde vielleicht auch dazu führen, dass Menschen, die nicht betroffen sind, endlich aufhören, Menschen, die betroffen sind, deren Empfindlichkeiten abzusprechen.
  • @TruffleShuffle: Auch wenn es sich nur um Ergänzungen handelt, möchte ich dich darauf antworten, da die Ergänzungen meinen Gedanken zumeist doch widersprechen. Für etwaige Exkurse vom Thema weg, bitte ich um Nachsicht ^^

    Was den Begriff „Oben“ angeht, so kann ich jetzt nicht mit einer Definition dienen, bzw. habe keine Lust eine herauszusuchen, auch wenn ich keinen Zweifel daran habe, dass sich manch Gesellschaftswissenschaftler daran versucht haben wird. Für meine Begriffe bezieht sich „Oben“ entweder auf die akademische, die ökonomische oder die politische/militärische Elite einer Gesellschaft, wobei die Übergänge zwischen diesen Gruppen fließend sind und eine Person auch mehreren Eliten angehören kann. Im Falle der Themenwoche dürfte es sich wohl um eine akademische, bzw. politische Elite handeln. Da es sich um die öffentlich-rechtlichen Sender handelt, dürfte die ökonomische Elite wohl eher untergeordnet sein.

    Es ist dabei, um auf die Themenwoche zu kommen, nicht das Thema das mich stört, sondern die Methode an sich. Es ist sicherlich begrüßenswert, wenn die Gesellschaft toleranter wird, aber gehören solche Methoden einmal zum Repertoire, so ist bei Behörden/staatlichen Institutionen zu fürchten, dass diese die einmal bekommenen Kompetenzen ungerne wieder abgeben. Die Entwicklung der Personalstärke im Staatsdienst, gerade vor und nach besonderen Ereignissen wie den großen Kriegen des 20. Jhd. zeigt dies sehr deutlich. Von daher halte ich einen offenen Diskurs für die bessere Variante. Das dies natürlich ein idealistische Gedanke ist, das ist mir klar. Aber der Diskurs ist auch nur dann offen, wenn eben die ungleichen Bildungsvoraussetzungen toleriert werden, bzw. auch falsche Ergebnisse für zumindest einen Teil der Teilnehmer. Anders dürfte sich alle oder zumindest die meisten Meinungen kaum integrieren lassen.

    Der Punkt ist ja, aber hier sind wir uns glaube ich einig, dass ein Bekenntnis zur Toleranz sicherlich stabiler ist, wenn man in einem offenen Diskurs überzeugt wird, als wenn man nur der PC entsprechen möchte. Wie gesagt, sicherlich ideal gedacht, sollte man aber nicht aus den Augen verlieren als Alternative zu mehr Erziehung.

    Truffle Shuffle schrieb:

    Würdest du das auch fordern, wenn diese Irrationalitäten andere Menschen verletzen, sie ausgrenzen, ihnen schaden?

    Ich denke mal klar ist, dass Toleranz immer dann endet, wenn eine Person seine Freiheiten nutzt, um so die Freiheiten einer anderen Person einzuschränken, z.B. durch Gewalt. Hier sind in der Tat stattliche Institutionen gefordert. Schwieriger ist der Zusammenhang zwischen Gedanken und Tat, hier muss man mMn individuell entscheiden, ab wann der Staat eingreifen soll. Das wird zwar immer von Fehlern begleitet sein, aber wie gesagt pauschal gegen „falsche“ Gedanken vorzugehen, ist mMn der größere Fehler, das dies im Totalitarismus endet.

    Truffle Shuffle schrieb:

    Genauso argumentieren Menschen, wenn sie sich intolerant verhalten. Die Toleranz endet nämlich in der Regel da, wo man sich in der eigenen Wohlfühlzone bedroht sieht.

    Da ist sicherlich viel Wahres dran, keine Frage, dennoch zu pessimistisch. In der Psychologie werden Mechanismen beschrieben (der Name ist mir leider entfallen, die Vorlesung liegt zu lange zurück) bei denen es möglich ist, eigentlich erwartbare Abläufe zu durchbrechen, wenn man sich der Erwartbarkeit bewusst ist. Will heißen, wenn man sich darüber bewusst ist, dass Toleranz zumeist mit der eigenen Wohlfühlzone im Zusammenhang steht, dann kann man diesen Fehler sozusagen vermeiden. Klappt sicherlich nicht immer und bei jedem, ist mMn aber grundsätzlich möglich.

    Truffle Shuffle schrieb:

    Eine bequeme Sichtweise.

    Bedingt ja, es kommt aber auch hier auf den Kontext an. Führt diese Erkenntnis zu einer Haltung, einfach alles zu akzeptieren, dann stimme ich dir zu. Wenn man aber nach einer möglicherweise langen Auseinandersetzung in der Lage ist, sich selbst zu reflektieren, bzw. die Auseinandersetzung mit einem anderen, dann ist dies gewiss nicht einfach und trägt sehr wohl zur Konfliktbefriedung bei.
  • Ich möchte einfach mal so behaupten, dass sich viele Menschen wohl als tolerant bezeichnen, ihnen aber eigentlich viele Dinge einfach egal sind. Und wenn einem so gut wie alles egal ist, dann ist das meiner Meinung nach nicht besonders förderlich für die Gesellschaft und auch für einen selber. Aber es ist natürlich bequemer, vor allem wenn man diese Gleichgültigkeit als Toleranz auslegen kann und somit für seine Umwelt in einem positiven Licht erscheint. Es kommt natürlich auch dazu, dass einige Menschen keine eigene Meinung haben, weil sie über viele Sachen sich nicht die Mühe machen nach zu denken oder sich mal in andere Menschen hineinversetzen. Wenn jene dann mal nach einer Meinung zu einem politischen oder gesellschaftskritischen Thema gefragt werden, dann kommt meistens irgendwas, was sie dazu mal im Fernsehen in irgendeiner Talkshow o.ä. an Meinung von einem anderen gehört und für gut befunden haben. Aber keine eigene, sich selbst gebildete Meinung der eigenen Person. Und da sind wir auch schon wieder beim TV und der ARD und ihrer angegebenen Themenwoche Toleranz. Was das genau soll, wer weiß, aber ich bin ja tolerant und lass die ARD mal machen. Ich muss sie ja nicht anschauen.. :D
  • Persönlich wird meine Toleranz im Alltag eher selten strapaziert. Natürlich ist es lästig, wenn ich es wegen des Bahnstreiks statt um 11 erst um Mitternacht von der Arbeit nach Hause schaffe oder mich morgens in eine überfüllte U-Bahn quetschen muss, aber eigentlich ist es ja eine gute Sache, wenn ich über diese Frage nachdenke und das das Schlimmste ist, was mir einfällt. Zu der ARD-Woche kann ich nicht viel sagen, da ich kaum Fernsehen gucke. Das Werbeplakat ist jedenfalls selten dämlich.

    Die Toleranz endet nämlich in der Regel da, wo man sich in der eigenen Wohlfühlzone bedroht sieht.
    Nein, da fängt sie an. Innerhalb der eigenen Wohlfühlzone gibt es ja nichts zu tolerieren. Echte Toleranz heißt, etwas Unangenehmes hinzunehmen - und das kann situationsabhängig gut oder schlecht sein.

    Insgesamt denke ich aber auch, dass gegenseitiges Verständnis der bloßen Toleranz vorzuziehen sind. Allerdings ist es so, dass die Definition der Toleranz sich mittlerweile im öffentlichen Sprachgebrauch gewandelt hat. Wenn jemand sagt, dass er etwas oder (insbesondere) jemanden toleriert, meint er/sie damit oft nicht nur die reine Duldung im eigentlichen definitorischen Sinn, die gewollte Bedeutung geht eher in Richtung der Akzeptanz. Deshalb macht es meiner Meinung nach auch nur bedingt Sinn, den Begriff auf einer Ebene zu kritisieren, die die moderne Umgangssprache kaum noch kennt.

    wutz1880 schrieb:

    Von einem anderen gehört und für gut befunden haben (...) Keine eigene, sich selbst gebildete Meinung der eigenen Person.
    Diese beiden Zitate widersprechen sich doch eigentlich. In dem Moment, in dem ich etwas für gut befinde, entwickele ich ja eine eigene Meinung. Sich von jemandem (z.B. in einer Talkshow) überzeugen zu lassen ist keine Schwäche und sich eine Talkshow anzusehen ist ein legitimer Weg um an die für eine Meinungsbildung nötigen Informationen zu kommen. Die meisten Menschen sind in die meisten Streitfragen nicht involviert und somit auf (immer irgendwie gefärbte) Berichterstattung angewiesen. Wobei ich zustimmen würde, dass momentan ein großes Desinteresse und ein Klima der Politikmüdigkeit herrscht - was aber natürlich auch damit zusammenhängt, dass es einem in Deutschland vergleichsweise einfach sehr gut geht.
  • wutz1880 schrieb:

    Von einem anderen gehört und für gut befunden haben (...) Keine eigene, sich selbst gebildete Meinung der eigenen Person.
    Diese beiden Zitate widersprechen sich doch eigentlich. In dem Moment, in dem ich etwas für gut befinde, entwickele ich ja eine eigene Meinung. Sich von jemandem (z.B. in einer Talkshow) überzeugen zu lassen ist keine Schwäche und sich eine Talkshow anzusehen ist ein legitimer Weg um an die für eine Meinungsbildung nötigen Informationen zu kommen. Die meisten Menschen sind in die meisten Streitfragen nicht involviert und somit auf (immer irgendwie gefärbte) Berichterstattung angewiesen. Wobei ich zustimmen würde, dass momentan ein großes Desinteresse und ein Klima der Politikmüdigkeit herrscht - was aber natürlich auch damit zusammenhängt, dass es einem in Deutschland vergleichsweise einfach sehr gut geht.[/quote]

    Ich meine das in Bezug auf die Medien. Schlecht recherchierte Artikel, die Dinge behaupten, die nicht der Wahrheit entsprechen. Angeblich repräsentative Statistiken, Personen des öffentlichen Lebens können einen schon beeinflussen. Man bildet sich eine eigene Meinung, auf Tatsachen,die so nicht stimmen, die aber trotzdem in den angeblich seriösen Medien auftauchen. Da muss es ja stimmen. Tut es aber oft nicht.
    Ein Beispiel: Die Zeitschrift Focus hat gerade in der aktuellen Ausgabe die angeblich besten Altenheime in Deutschlands aufgelistet. Diese Auflistung beruht aber leider auf der völlig unsinnigen Überprüfung des MDK (Medizinisch Technischer Dienst), die am Ende Noten vergeben, die auf www.pflegelotse.de ein zu sehen sind. Dabei wird überwiegend nur die schriftliche Dokumentation der Heime bewertet. Seltsamerweise haben da viele Heime eine 1 vor dem Komma, was ich aus meiner persönlichen Erfahrung bei vielen wirklich nicht verstehen kann, da nachweislich es in der Praxis anders aussieht. Selbst eine MDK - Mitarbeiterin hat gegenüber mir im persönlichen Gespräch zugegeben, das dieses Bewertungssystem nur beibehalten wird, da es wohl so teuer gewesen ist. Aber denn Zweck erfüllt es nunmal nicht.
    So, nun druckt aber der liebe Focus als Tatsache ab, dass genau diese Heime alle super sind, weil sie eine 1,0 geschafft haben. Also würde man meinen das man seine Eltern beruhigt dort unterbringen kann. Die 3 Heime, die in meiner Region genannt wurden, davon würde ich eines davon total ablehnen. Aus unmittelbaren Informationen von Menschen, die ihre Eltern da drinnen hatten, oder haben, oder dort gearbeitet haben.
    Also ist dies für mich nicht gut recherchiert und somit an der Realität vorbei. Es wird ein falsches Bild über das aktuelle Überprüfungsverfahren des MDK vermittelt. Es wird das große Problem des absoluten Fachkräftemangels und somit auch Personalmangels in der Pflege heruntergespielt, weil sich der Leser dabei denken könnte, es sei ja gar nicht so schlimm, da jedes zweite Heim eine Note 1, irgendwas hat. Dabei sollte man doch mal in der Sache hinterfragen, warum es so viele angeblich supertolle Heime gibt, es aber in der Pflege an allen Ecken hinten und vorne brennt.
    Und das ist es was ich eigentlich damit sagen wollte. Klar kann einem die ein oder andere Meinung aus einer Talkshow zusagen, oder aus einer Berichterstattung. Trotzdem sollte man sie nicht einfach so hinnehmen,sondern auch mal hinterfragen. Und das tun viele Leute nicht. Die übernehmen oft etwas, weil ihnen der Menschen, der es gesagt hat, sympatisch ist, oder als besonders seriös erscheint/gilt. Dann muss das ja stimmen und dann ist man auch dafür. Ob das immer so der richtige Weg ist sich seine Meinung zu bilden, ich persönlich denke das nicht.