Die Wehrpflicht/Der Zivildienst

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    Wir suchen mit euch die Beste Episode aus Staffel 5! Wer ist euer Wochenfavorit?

    • Cognac wrote:

      Hatte mal irgendwas gelesen, dass viele Kasernen geschlossen werden, vl hab ich dadurch angenommen, dass es komplett weg wäre. ||
      Jo da hast du nicht unrecht. Durch extreme Sparkurse ist hier einiges passiert und kritische Stimmen sagen das uns Bundesherr unter den momentanen finanziellen Einsparungen stark leidet.
    • Es handelt sich übrigens um das Heer nicht um Herr, denn mit der männlichen Ansprache hat das nichts zu tun ^^

      Nein, ich habe durchaus wütende Briefe bekommen mit Androhung von Strafen, aber war mir egal xD Mir war völlig klar, dass sie sich dafür viel zu lange Zeit lassen und ich wusste bereits das die Aussetzung bevorsteht und habe daher auf die Karte Zeit gesetzt. Es hätte mir durchaus passieren können, dass es klingelt und 2 Feldwebel mich zwangs abholen, dafür hätten sie mich aber auch erstmal antreffen müssen^^ Für den Fall, sie hätten sich an der Tür nicht abwimmeln lassen, wäre ich hinten aus dem Fenster geflohen während sie im Gespräch sind.
    • Teo Torriatte wrote:

      ch bin froh, dass die Wehrpflicht ausgesetzt wurde auch wenn es für mich zu spät war. Wie die anderen schon erwähnt haben, wer sich sozial oder sonst wie engagieren will kann dies jederzeit tun ohne Kollektivzwang. Gerade der hat mir immer sauer aufgestoßen. Vom sexistischen unfairen Ungleichgewicht das ja nur Männer betraf ganz zu schweigen.
      Das war auch der eigentliche Grund zum Aussetzen der Wehrpflicht. Klar, offiziell wurde irgendein Schwachsinn als Grund angegeben, aber in Wirklichkeit wollte man nur verhindern, dass der BGH (oder war es das BVG?) den Grundgesetz-Verstoß ("Gleichberechtigung") feststellt. Es hat nämlich ein Betroffener bis dorthin geklagt und hätte auch Recht bekommen. Wird aber das betroffene Gesetz vorher ausgesetzt/abgeschafft, wird das Verfahren eingestellt, da eben keine Substanz mehr vorhanden ist. War auch ein Ding: Frauen dürfen mitmachen aufgrund von Gleichberechtigung, aber die WehrPFLICHT? Nee, sind ja Frauen :rolleyes: .

      Persönlich habe ich mich beim ersten Termin "geweigert", da der genau in die Zeit der Prüfungsvorbereitung gefallen ist. Beim Ersatztermin bin ich dann hingegangen. Pinkeltest bestanden, Hörtest bestanden und sogar den Sehtest bestanden. Wie der Arzt dann meinen Fuß erblickt hatte, durfte ich nach Hause. Voll wehruntauglich 8) .

      Meiner Meinung nach gehörte das Erscheinen bei der Musterung zum Mannsein dazu. Alle anderen waren einfach nur Drückeberger.
    • Spannendes Thema, da will ich auch noch meine Meinung zu abgeben.

      Ich bin gegen die Wehrpflicht/Zivildienst. Und ich selbst, habe mich für den freiwilligen Wehrdienst entschlossen.
      Für mich war schon zur Schulzeit klar, direkt nach der Schule weiter die "Schulbank" drücken in Berufsschule oder Universität kommt für mich nicht in Frage. Ich hatte Bock was anderes zu machen. Wehrdienst, BFD (Bundesfreiwilligendienst), Work and Travel etc. war mir eigentlich egal, hauptsache keine lernerei. Warum es dann ausgerechnet der Wehrdienst geworden ist? Hatte eine vielzahl an Gründen:
      Bock auf Herausforderung, Lust auf Abenteuer, Waffen/Schwere Maschienen/Panzer fand ich immer schon interessant, ich wollte mal Uniform tragen und vielleicht ne Priese Vaterlandsliebe bzw. tatsächlich das Bedürfnis dem Land etwas zurück zu geben. Das wir hier in Frieden und mit so einem hohen Lebensstandard leben können, war und ist für mich keine Selbstverständlichkeit.

      Was ich vom Wehrdienst mitgenommen habe
      Klar, für das berufliche Leben hab ich keine "Hard Skills" erworben. Wie mann ein Panzerfährt oder ein Radar bedient, dass werde ich im (Zivilen) Leben nie mehr brauchen. Aber man hat eine Menge an Softskills gewonnen und ich bin ähnlich wie Du Bariados, an der Erfahrung gereift/Erwachsen geworden. Ich habe viele Skills mitgenommen, die man standardmäßig mit Militär verbindet: Disziplin, Ordnung, Durchhaltevermögen, aber auch skills an die ich vorher nicht gedacht hätte, wie gestiegene Stresstoleranz, Umgang mit Menschen, selbstständigkeit, Hilfsbereitschaft etc.
      Ich war vorher kein Chaot oder unselbstständig, aber die Bundeswehr hat diese ganzen Skills nochmal auf ein neues Level angehoben.

      Das sind Skills von denen ich jetzt noch ungemein profitiere. Disziplin und durchhaltevermögen sind eigenschaften, die einem ungemein helfen, wenn man lernen muss. Man hat einfach Selbstdisziplin, die andere nicht haben. Die setzen sich dann 5 Stunden in die Bibliothek, lernen davon effektiv 1 Stunde und wundern sich dann, warum sie durch die Klausur durchfallen. Ordnung hilft einem dabei, die nötige Selbstdisziplin an den tag zu legen. Im Vergleich zu meinen Freunden, ist meine Wohnung immer am saubersten/aufgeräumtesten. Das kommt tatsächlich nicht von ungefähr. Der Reifeunterschied zwischen mir und meinen Komilitonen im 1. Semester war schon enorm krass. Ich saß da mit 21 Jahren und die waren teilweise 17 und fühlten sich als hätten sie die Lebensweisheit mit Löffeln gefressen. Konnten dann aber nicht mal alleine nen Arzttermin machen, geschweigedenn eine Wohnung suchen. Mit dem erfolgreichem Studium wurde es dann bei den wenigsten etwas. Nicht weil sie dumm waren, sondern einfach weil Erfahrung gefehlt hat.

      Wichtiger Punkt ist auch Umgang mit Menschen. Man hat halt beim freiwilligen Wehrdienst mit allen Menschen zu tun. Da saß vom Schulabbrecher bis zum fertigen Jurastudenten jeder. Hauptschüler, Realschüler, Gymnasiasten leute mit Ausbildung, leute ohne Ausbildung. Mein Zugführer hat mal gesagt, das schwierigste für Ihn sei einen Mittelweg zu finden für den Raketenwissenschaftler mit dem Schulabbrecher, den Atleht mit dem Fettsack etc.
      Ohne so eine Erfahrung, lebt man glaube ich in seiner Blase. Wenn man Realschüler ist, hat man nur Klassenkameraden zu tun, die Realschüler sind. Und bei der Berufsschule, werden auch fast nur leute sitzen, die einen Realschulabschluss haben. Genauso der Abiturient, der eher mit seinen Gymnasiumfreunden rumhängt und dann auch im Studium fast nur mit leuten zu tun hat, die auch aufs Gymnasium gegangen sind. Aber bei der Bundeswehr, da waren alle gleich. Einfach Männer und Frauen in Grün, die zumindest in der Grundausbildung alle das selbe machen mussten. Das war eine tolle Erfahrung.
      Die Meisten behaupten von sich, sie würden natürlich jeden Menschen gleich behandeln, aber wenn die Leute ehrlich wären, müssten sie sich eingestehen, dass sie unterscheiden zwischen Putzfrau und Richter, Mensch mit Migrationshintergrund und Mensch ohne, oder Straftäter und Elektriker. Die Bundeswehr hat mir enorm geholfen, "Berührungsängste" abzubauen und jeden Menschen mit Respekt zu behandeln.

      Zum Art und Ablauf des Wehrdienstes
      Es war nicht immer einfach, um nicht zu sagen es war manchmal ziemlich hart. Zumindest in der Grundausbildung wird aber nichts unmögliches verlangt. Aber selbst die Menschen die freiwillig zur Bundeswehr gehen, sind deswegen nicht automatisch sportlich. Ich hab vorher Kampfsport und Sport im Fittnesstudio gemacht, trotzdem war ich schon oft Herausgefordert. Außerdem ist Sport in eine Gruppe nochmal anders als alleine. Du kannst nicht dein eigenes Tempo laufen, sondern das der Gruppe und wenn einer die Liegestütze nicht richtig macht, müssen sie alle nochmal machen. Es wurde von anfang an gesagt, man wird an seine psychische und physische Belastungsgrenze gebracht. In Anbetracht der Tatsache, dass sich der ein oder andere Übergeben musste beim Sport und viele den Wehrdienst abgebrochen haben, kein leeres versprechen. Aber das ist auch notwendig. Wer in der Übung keine 12 km mit 15 KG gepäck schafft, der schafft es auch nicht im Krieg. Und der ist in meinen augen kein tauglicher Soldat.

      Tatsächlich sind die Anforderungen an die freiwillig Wehrdienstleistenden meines Wissens nach nicht gestiegen, lediglich die sportliche Fitness der Teilnehmer ist gesunken. Das hängt aber mit der Gesellschaft zusammen und nicht an Wehrpflicht oder nicht. Aber mann kann in den ersten 6 Monaten jederzeit und mit sofortiger Wirkung sagen, ich höre auf. Das ging zu Zeiten der Wehrpflicht natürlich nicht. Insgesamt ist der Ton ein wenig netter geworden, als noch zu Zeiten der Wehrpflicht. Die Vorgesetzten wissen, dass die Leute das freiwillig und irgendwo auch gerne machen. Generell ist der größte Pluspunkt der freiwilligkeit in meinen Augen, dass du nur motivierte Leute da hast. Die wollen alle da sein und die wollen alle Soldat sein. Und sie wollen ein guter soldat sein. Da musste man nicht jeden Morgen sagen, wie das Bett zu machen ist oder das die Stube sauberer sein muss. Das wurde einmal angesprochen und dann wurde der Mangel abgestellt. Das schafft natürlich viel mehr Zeit für sinnvolle Aufgaben wie die Ausbildung.

      Apropos Sinnvoll. Manchmal, wenn man irgendwo bei regen im matsch liegt oder gerade beim Gewaltmarsch ist, fragt man sich zwar schon: Warum tue ich mir das überhaupt an? Aber es gab allgemein nur wenig sinnlose Aufgaben die ich bekommen habe. Das liegt sicherlich daran, dass jeder der da ist, auch wirklich dringend gebraucht wird. Die Bundeswehr hat akuten personalmangel. Ich habe daher tatsächlich eine Reihe interessanter und sinnvoller Tätigkeiten gehabt. Auch Auslandsübungen etc. bieten viel raum für Erfahrung. Solche Auslandserfahrungen waren für Wehrpflichtige eher die Ausnahme, heute die Regel. Klar ist nämlich auch, wer sich freiwillig für ein jahr oder länger verpflichtet, kann im Ausland eingesetzt werden. Und in der Regel wird er das aufgrund der personalsituation auch. Alles was man lernt und macht, kann im zweifel dein Leben schützen. Ein guter anreiz, seinen job richtig gut zu machen würde ich sagen.


      Mein Fazit zum freiwilligen Wehrdienst
      Es war eine tolle Zeit. Ich würde es wieder machen. Ob ich nochmal zurückkehre ist so eine Sache. Es gibt den Spruch: Wenn man drinnen ist, will man raus und wenn man raus ist, will man wieder rein. Tatsächlich ist da viel Wahres dran, ich vermisse einiges. Nach wie vor, stehe ich im Kontakt zu meinen alten Kameraden, teilweise sind sie noch bei der Bundeswehr, teilweise wieder Zivilisten. Man hat schon gute Freunde gefunden, muss ich sagen.
      Generell kann ich nur Empfehlen, nach der Schule nicht direkt eine Lehre anzufangen oder ein Studium. Es muss kein Wehrdienst sein, das sollte man schon irgendwo wollen und dafür gemacht sein. Aber man gewinnt bei so einer Tätigkeit viel an Reife und Erfahrung und ggf. wird einem der Berufswunsch erst durch und bei dem Wehrdienst (freiwilligen Dienst) klar. Aber ich bin klar gegen eine Wehrpflicht, denn die vorteile einer freiwilligen Armee überwiegen denen der Wehrpflichtigenarmee. Jedoch wenn diese in Deutschland wieder eingeführt werden sollte, dann muss die Wehrpflicht in meinen Augen für Männer und Frauen gelten. Frauen gab es übrigens bei uns auch, aber die Abbrecherquote war viel viel höher als bei den Männern. Ich glaube von 12 Frauen haben am Ende nur 3 die Grundausbildung bestanden, der Rest hat vorher abgebrochen. Allerdings irgendwo verständlich. Wenn eine zierliche Frau von 50 kg Körpergewicht einen 25 KG rucksack tragen muss, trägt sie die Hälfte ihres eigenen Körpergewichts. Ein 80KG Mann hingegen trägt nur einen bruchteil davon. Dass die Frau dann zuerst zusammenklappt, joa das ist dann anatomisch bedingt würde ich sagen. Aber Respekt an alle Frauen, die es versucht haben.
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